Montag, 22. Oktober 2012

Der Veitsberg im BR

weiß blau

In Bad Neustadt an der Saale

 

Am 28. Oktober 2012 strahlt das Bayerische Fernsehen um 15.15 Uhr in der Sendung „weiß blau“ verschiedene Beiträge zu Bad Neustadt an der Saale aus. 

In der zweiten Woche der diesjährigen Grabungskampagne, besuchten die BR-Mitarbeiter auch den Veitsberg.



Link zur Sendung:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/programmkalender/sendung427162.html

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Teile der Mauerzüge wieder verfüllt


 Als wäre nichts gewesen…

Am Dienstag, den 16. Oktober 2012, wurden die Mauerbefunde in Schnitt 1 mit einem speziellen Lehm-Branntkalkgemisch namens „Dernoton“ verfüllt und so für die Nachwelt gesichert. Da diese Architekturbefunde bereits seit 2 Jahren offenlagen, wurden gerade die Trockenmauern instabil und so war es dringend erforderlich, noch vor dem Winter tätig zu werden.

Pünktlich um 8.00 Uhr wurde das Material angeliefert und auf dem Flurbereinigungsweg abgekippt, da eine Anlieferung direkt an die Grabungsstelle wegen des instabilen Untergrundes nicht möglich war.

Von dort brachte der Mitarbeiter des Bauhofes Bad Neustadt mit dem Lader das Dernoton zum Befund, wo es punktgenau und treffsicher vom Baggerfahrer des Bauhofes Hohenroth innerhalb der Verschalung und auf den Mauerbefunden eingebracht wurde. Auch an schwierigen Stellen, wie der kreisrunden neuzeitlichen Störung inmitten des Turmrundes, war die Verarbeitung problemlos, dank der hervorragenden haftenden Eigenschaften des Gemisches. So entstand ein ca. 25 cm dickes "Korsett" um die Mauern.

Mit der Rüttelplatte und dem Stampfer wurde das Material verdichtet. Abschließend brachten wir zur Oberflächenabdichtung nochmals eine ca. 25 cm dicke Humusschicht ein und nun sollte alles für die nächsten 1000 Jahre oder länger gut eingepackt und gesichert sein. 

Nun ist die Grabungskampagne 2012 wirklich beendet!

Die Mauerbefunde in Schnitt 1 (links) und Schnitt 4 (rechts) am letzen Grabungstag.
Die Mauerbefunde in Schnitt 1 werden mit Dernoton überdeckt. In Schnitt 4 überwintern die Mauern unter Geovlies und Planen.

Verschalung entlang der Mauerzüge, um die Befunde auch vertikal zu stabilisieren.

Die erste Hälfte ist geschafft, alle Mauern mit Dernoton überdeckt und das Material verdichtet.
 
Einbringen des Materials in den östlichen Teil von Schnitt 1.

Auch der Ostteil ist komplett überdeckt...

...und muß nur noch verdichtet werden.

Mit einer dicken Humusschicht wird alles noch einmal überdeckt - nun sieht alles wieder so aus, als wäre nichts gewesen.



Sonntag, 14. Oktober 2012

Grabungsende 2012



Ausgrabungen 2012 auf dem Veitsberg beendet

Der Veitsberg aus der Luft am vorletzten Grabungstag. 

Am letzten Freitag, den 12. Oktober 2012, wurden die diesjährigen Grabungen auf dem Veitsberg beendet. Bei Regenwetter – ganz untypisch für diese außerordentlich sonnige Saison – wurden die Befunde eingepackt, Material und Werkzeug abtransportiert und die Grabungsstelle winterfest hinterlassen.


Nachdem am 3. Oktober wiederum rund 200 Besucher zu den öffentlichen Grabungsführungen gekommen waren, ging es nach einem verlängertem Wochenende in den Endspurt. 


Wegen des hohen Besucherandrangs führen Sabrina Scherer und Petra Wolters in zwei Gruppen über die Ausgrabungen.

Schon jetzt lässt sich sagen, dass in diesem Jahr etliche der noch offenen Fragen geklärt und wichtige neue Erkenntnisse gewonnen  werden konnten – eine erste Zusammenfassung erfolgt in Kürze.

Letztmalig zu sehen: Der mächtige Rundturm und die Umfassungsmauer in Schnitt 1 - nun müssen die Mauern endgültig überdecket werden, um sie vor weiterer Zerstörung zu schützen.


Dank des insgesamt tollen Wetters, der nicht endend wollenden Unterstützung der Gemeinden, Bürgermeister, Grundeigentümer, Pächter, Anwohner, Besucher und des gutgelaunten und engagierten Grabungsteams mitsamt der stellvertretenden Grabungsleiterinnen Sabrina Scherer und Christine Reichert kann auf die bislang wohl erfolgreichste Grabungskampagne zurückgeblickt werden.

Herzlichen Dank für die großartige Unterstützung! 

Link zum Artikel in der Mainpost: http://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Veitsberg-bewahrt-vorerst-sein-Geheimnis;art765,7072195


Anfang der letzten Grabungswoche läuft alles noch normal.





Am vorletzten Grabungstag wird mit fliegenden Stiften an allen Ecken gleichzeitig dokumentiert. Selbst Christine Reichert legt noch einmal mit Hand an.

Derweil wird an anderer Stelle schon geputzt und sortiert - es soll ja regnen.

Der letzte Abend in der gemeinsamen Unterkunft - bei Huhn mit Datteln und Feigen, Rotwein und Löschzwerg wird Abschied gefeiert.


Das nasse und lehmverschmierte, dennoch gutgelaunte Grabungsteam der letzten Stunde.















Samstag, 29. September 2012

Abschließende Grabungsführungen


Öffentliche Grabungsführungen am 3. Oktober 2012


Am 3. Oktober finden noch einmal zum Abschluß der diesjährigen Grabungskampagne öffentliche Grabungsführungen statt. Um 11.00 Uhr und um 14.00 Uhr werden Sabrina Scherer und Petra Wolters sowie die beteiligten Studenten allen Interessierten Fragen beantworten und die bisherigen Ergebnisse vorstellen.

Unter anderem wird die beeindruckende Fortsetzung des mächtigen runden Turmes letztmalig zu sehen sein, da die Mauerzüge vor dem Winter unter einer schützenden Überdeckung verschwinden werden.

Die Mauerreste des mächtigen frühmittelalterlichen Rundturmes

Sonntag, 16. September 2012

6 Wochen auf dem Veitsberg....


6 Wochen Grabung auf dem Veitsberg – es hätten ruhig mehr sein können!


Der fröhliche Autor Florian Birkner...
Aber wieso? Die Grabung auf dem Veitsberg war meine 3. Grabung und entwickelte sich schnell zu einer rein gewinnbringenden Erfahrung.


Zum Einen ist die Befundlage unfassbar spannend und sorgt für eine permanente positive Anspannung. Mit jedem neuen Planum, auf das wird abtieften, kamen neue Erkenntnisse und Fragen zu Tage. Daher war eine konzentrierte und systematische Arbeit von Nöten, wodurch das Niveau der gesamten Lehrgrabung sehr hoch war.



 
...beim Abtiefen in Schnitt 3.



Zum Anderen sorgte das bunt gemischte Team für eine tolle Stimmung. Man stellte sich gemeinsam den Aufgaben, kochte zum Feierabend zusammen und saß abends angeregt quatschend beisammen und tauschte sich in Bezug auf Archäologie, Studium, Lebensstil und anderen Dingen aus. So entstand schnell ein großes Gemeinschaftsgefühl und ich fühlte mich permanent pudelwohl. 

Gemeinsames Abendessen in der Unterkunft.

Des Weiteren empfand man durch das große Interesse der örtlichen Bevölkerung so wie die tolle Unterstützung und Förderung der Gemeinden die getätigte Arbeit als wichtig und bestätigend. Alles in allem eine richtig gute Grabung.


Trotz vorheriger Erfahrungen in der Archäologie fühle ich mich nach dieser Grabung und der lehrreichen Führung der Grabungsleitung bereit für eine berufliche Zukunft in der Feldarchäologie. Hätte ich die Zeit gehabt, wäre ich sehr gerne noch länger geblieben. Nächstes Jahr komme ich auf jeden Fall wieder! 


Der Autor beim Baggerfahren - auch das eine neue und mit Begeisterung erlernte Tätigkeit.
Autor: Florian Birkner, Berlin.

Freitag, 7. September 2012

6 Wochen als Studentin auf dem Veitsberg


Mein Rückblick auf 6 Wochen Grabung


Ich erhoffte mir einen umfangreichen Einblick in den Berufsalltag eines Archäologen zu gewinnen und nützliche Erfahrungen im Umgang mit handwerklichen und elektronischen Methoden bei der Ausgrabung nach natürlichen Schichten bis hin zur Fundbearbeitung zu sammeln.
Meine erste Woche verlief ein wenig anders als gedacht, denn zu allererst musste das notwendige Material und das Werkzeug angeliefert und die Baustelle vorschriftsmäßig mit Bauwagen, Werkzeugcontainer, Wasserfass und Toilette ausgestattet werden.

Die Studenten erlernen den Umgang mit dem Tachymeter. (2. von links die Autorin dieses Beitrages).
Der Ablauf der Grabung war problemlos, denn das Team verstand sich, trotz des ständigen Austausches von Praktikanten, hervorragend. Wir wechselten uns stets beim Pickeln, Eimer tragen, Schubkarre leeren und beim Säubern der Funde und Befunde ab. Eine besondere Vorliebe entwickelte ich während des Praktikums für die Dokumentationsarbeit mit dem Fotoapparat und dem Tachymeter. Die Grabungsleiterin und ihre Stellvertreterin legten außerdem viel Wert darauf, dass jeder Praktikant mit jedem Arbeitsschritt vertraut wurde und wir uns gegenseitig helfen konnten. Außerdem hatte ich jederzeit die Möglichkeit, mich bei Fragen an die Beiden zu wenden. Teamfähigkeit und Engagement waren aber auch im privaten Leben außerhalb der Grabung gefragt. Als Unterkunft dienten uns zwei Wohnungen, die uns von der Stadt Bad Neustadt a. d. Saale zur Verfügung gestellt wurden. Besonders harmoniefördernd empfand ich dabei das gemeinsame Kochen, Abwaschen und Einkaufen jeden Abend, bei dem ein reger Austausch von Erfahrungen und Erlebnissen zwischen Studenten und Grabungsleitern möglich war. 

Die Autorin (rechts) bei der zeichnerischen Dokumentation der Befunde in Schnitt 4.
Meine kommunikativen Fähigkeiten wurden auch nicht zuletzt durch den regen Besucherverkehr auf der Grabung gefördert, denn bereits in der dritten Woche fand eine erste offizielle Führung für alle Interessierten statt.
Als ein Erlebnis der besonderen Art empfand ich allerdings den Kinderuni-Tag in der 5. Woche, an dem uns 30 Kinder aus Bad Neustadt besuchten. Nun waren es die Praktikanten, die die genaue Dokumentation mit Fotoapparat, Nivelliergerät, Meterstab und Tachymeter erklären sollten. Mein ganz persönliches Erfolgserlebnis an diesem Tag bestand darin, dass wir am Ende gemeinsam überlegten, wie die Spuren zusammengehören und welche Schlussfolgerung daraus getroffen werden könnten.
Das herzliche, hilfsbereite und offene Arbeitsklima sowie die Möglichkeit, verschiedene Personen mit Fachkenntnissen kennenzulernen, haben mich sehr für weitere Praktika motiviert. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich viel gelernt habe und nebenbei Spaß und Freude an der Arbeit hatte, obwohl sie das ein oder andere Mal schwer und Kräfte zehrend erschien. Ich habe den Fundplatz, seine Umgebung und die Mitarbeiter lieb gewonnen, sodass ich mich freuen würde, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen.

Autorin: Maria Epler, Hamburg.


Dienstag, 4. September 2012

Halbzeitbericht

„Bergfest“ der Grabungskampagne 2012 – Ein Zwischenbericht


Zum 31. August war die Hälfte der 12-wöchigen Grabungskampagne 2012 vorbei und so einige der vielen offenen Fragen konnten schon geklärt werden.  
Gesamtplan der Anlage mit Grabungsschnitten, Wall-Graben-Anlage und Mauerbefunden auf dem Luftbild des Veitsberges. (Plan: P. Wolters; Luftbild: BLfD, Aufnahmedatum 20.06.2000, Klaus Leidorf, Archiv-Nr. 5726/029)

Wichtigstes Ergebnis bislang ist wohl die nun sicher nachgewiesene Steinumwehrung auf der Nord-, West- und Südseite der Anlage. Die Fortsetzung auf der Ostseite kann möglicherweise schon durch die kürzlich durchgeführten Bodenradaruntersuchungen geklärt werden. 

Mauerwerk auf der Südostseite der Anlage.
Aber auch die chronologische Abfolge von Umfassungsmauer und Turm ist nun deutlicher. Eine große Grube – mutmaßlich ein Kellereinbau – zieht unter das Turmfundament, ist jedoch an die Umfassungsmauer angebaut. Dies unterfüttert die bereits vermutete Abfolge, dass der Turm in die bereits bestehende Ecksituation der Umwehrung gesetzt wurde. Auch durch den nur noch maximal 50 cm hoch erhaltenen Wallkörper konnte ein erstes Profil gelegt werden, dass Hinweise auf hölzerne Einbauten erbracht hat.

Die ersten 6 Wochen waren also schon sehr erfolgreich und wir hoffen sehr, dass sich die zweite Hälfte der Grabung genauso positiv entwickelt.


Fortsetzung der Umfassungsmauer kurz vor der Südecke der Anlage, von der Westecke kommend.

Sonntag, 26. August 2012

Kinderuni




Von Keramik und Knochen, Mauern und Pfostenlöchern – KinderUni auf dem Veitsberg


 Wie schon im letzten Jahr, so besuchten auch an diesem Freitag, den 24. August wieder zahlreiche Teilnehmer der KinderUni Bad Neustadt die Ausgrabungen auf dem Veitsberg. Fast 30 Kinder erhielten Einblicke in die laufenden Grabungen und archäologische Arbeitsweisen und konnten danach selbst einmal mit anpacken.



  In Dreiergruppen und unter Leitung von jeweils zwei Studenten wurden fachgerecht kleine Grabungsflächen freigelegt. Nach einer kleinen Stärkung – denn graben macht hungrig – galt es, alles genau zu dokumentieren: jede Scherbe und jeder Knochen, jeder Stein und jeder Mauerrest wurden gezeichnet und mit Nivelliergerät und Meterstab vermessen. Mit Hilfe der neuzeitlichen Scherben und einer Münze konnten die entdeckten Befunde im Boden – zwei Mauerstücke, Pfostengruben und eine Feuerstelle – in die jüngste Vergangenheit datiert werden. 


Am Ende des Grabungstages wurde gemeinsam überlegt, wie die entdeckten Spuren zusammengehören könnten und es wurde schnell festgestellt, dass es sich wahrscheinlich um den Rest eines kleinen Hauses mit Stützen für das Dach und einer Kochstelle handelt. Ein toller Erfolg für alle, die ihre ersten Erfahrungen als Archäologen sammeln konnten!

Sonntag, 19. August 2012


Großes Interesse an der eigenen Geschichte

Am Mittwoch den 15. August 2012 fanden erstmals öffentliche Grabungsführungen auf dem Veitsberg statt. 

Fast 200 Besucher erhielten durch Christine Reichert (stellvertretende Grabungsleitung) und Petra Wolters (Grabungsleitung) Einblicke in die archäologischen Forschungen der letzen 2 Jahre.

Die Grabungsmannschaft bereitet sich und die Flächen auf die öffentlichen Führungen vor (Foto: F. Birkner).

Spätestens gegen Ende der diesjährigen Kampagne (Mitte Oktober) sollen weitere öffentliche Grabungsführungen stattfinden. Die Termine werden rechtzeitig in der Presse und auf dieser Seite bekannt gegeben.  

Ausführlicher Pressebericht in der Mainpost: http://mobil.mainpost.de/regional/art765,6975303



LEADER-Förderung für das Pfalzgebiet Salz

Am 8. August wurde offiziell die Förderung des LEADER-Projekts "Pfalzgebiet Salz und Veitsberg" bewilligt. Das Projekt soll vor allem die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen.

Montag, 13. August 2012


Drei Wochen später….          


Am Ende der dritten Grabungswoche hat sich Dank eines sehr engagierten Grabungsteams schon wieder vieles verändert. Im Schnitt durch die Turmmitte (Schnitt 4) fanden sich zahlreiche Knochenfragmente, Keramik und endlich auch einmal wieder ein besonderer Fund: ein kleines Stückchen eines Dreilagenkammes mit Fischgrätmuster, der wohl ehr in die Frühphase der Anlage zu datieren ist. 

Fragment eines Dreilagenkammes (Foto: P. Wolters).

Im Turminneren wurde im Planum 2 eine Feuerstelle freigelegt, doch ist bislang nicht genau zu klären, welche Gesamtform und Funktion diese Brandstelle hatte, da sie nur teilweise erfasst werden konnte.
Das Turmfundament selbst ist größtenteils erhalten, lediglich im Nordosten etwas ausgebrochen. Leider hat sich jedoch vom Turmrund selbst kein aufgehendes Mauerwerk erhalten. 

Zwei Studentinnen beim Zeichnen des Turmfundamentes (Foto: C. Reichert).

Im Schnitt 3, einer kleinen Fläche im Osten von Schnitt 1 (Fläche mit Umfassungsmauer und größtem Teil des Turmrundes), die bereits 2011 geöffnet war, wurde weiter abgetieft und dabei konnte ein Laufhorizont mit Kalkestrich am Boden einer mit Brand- und Steinschutt verfüllten Grube dokumentiert werden. In dieser Grube fand sich als zweiter Sonderfund das Fragment eines Messergriffes.  

Reste des Kalkestrichs in der Grube (Foto: P. Wolters).

Ganz neu ist der Wallschnitt (Schnitt 5), der rechtwinklig zur Umfassungsmauer verläuft und die stratigraphische Abfolge von Mauer, Turm und Wall/Graben klären soll. Außerdem wurde mit dem Oberbodenabtrag in der Südecke der vermuteten Hauptburg begonnen, so dass nun bald wichtige Hinweise zur baulichen Konzeption der Anlage vorliegen sollten. Erste Spuren auf Mörtelbebauung auch an dieser Stelle liegen bereits vor und so besteht berechtigte Hoffnung, auch hier auf Mauern zu stoßen. 

Der Wallschnitt (Foto: C. Reichert).

In den letzten zwei Wochen herrschte schon reger Besucherverkehr auf der Grabung, weshalb am Mittwoch den 15. August 2012 auch erste öffentliche Grabungsführungen stattfinden werden – um 11.00 Uhr und um 14.00 Uhr können sich alle Interessierten selbst einen Eindruck von den bisherigen Ergebnissen machen. Das Grabungsteam freut sich auf Ihren Besuch!

Samstag, 4. August 2012


                                           Meine erste Ausgrabung

Die Autorin
Die Erwartungen für meine erste Grabung wurden übertroffen: bereits in der ersten Woche wurden wir fündig und unsere Anstrengungen gleich belohnt. Nachdem wir am ersten Tag erst einmal die Humusschicht in dem neu angelegten Schnitt, zum Glück mit einem Bagger, freilegten und die Abdeckung des Schnittes von 2010/11 entfernten, begannen wir am zweiten Tag mit dem ersten Planum. Bereits nach etwa einer Stunde fanden wir zwei große Steine, die sich bei der weiteren Freilegung als Mauerrand entpuppten. Den Rest der Woche arbeiteten wir weiter am Planum und legten nach und nach mehr Steine und auch eine massive Mörtelschicht frei. 

Die Autorin beim Freilegen der ersten Mauersteine

Natürlich gab es auch neben der Grabung viel zu erleben, die Wohnungen von der Stadt erweisen sich als Glücksfall, sie sind groß, an einer günstigen Lage und auch das Schlafen auf den Feldbetten lässt sich aushalten. Das gemeinsame Kochen, Abwaschen und Einkaufen klappt tadellos und wir sind eine fröhliche Truppe. 

Auch der Ablauf auf der Grabung geht gut an, es war die Woche zwar extrem warm, aber durch die findige Konstruktion der beiden Grabungsleiterinnen bauen wir uns immer wieder Schatten und so arbeiten wir nicht den ganzen Tag in der prallen Sonne. Auch die Arbeit in der Gruppe läuft gut, wir wechseln uns beim Hacken, Eimer tragen, Schubkarre leeren und beim allgemeinem Kratzen und Putzen der Befunde ab und nächste Woche kriegen wir noch einen Zuwachs von weiteren drei Leuten. Dann kommt dann auch der Tachy und es geht los mit dem Messen und Zeichnen. 

Autor: Janette Horvath (Zürich)

Freitag, 27. Juli 2012

Eine runde Sache - die Ausgrabung 2012 hat begonnen


Pünktlich mit Beginn der Semesterferien starteten auch wieder die Ausgrabungen auf dem Veitsberg. Vorrangiges Ziel der Untersuchungen 2012 ist es, die in Teilen ergrabene und durch naturwissenschaftliche Analysen (LIDAR, Magnetik, Bodenradar) erfasste Befestigungsanlage in ihrer Gesamtform näher zu bestimmen und die noch unklare chronologischen Abfolge von Turm/Mauer/Wall zu klären.

Bei strahlendem Sonnenschein wurde zuallererst Material und Werkzeug angeliefert und die Baustelle eingerichtet. Wie jedes Jahr erhielt die Grabung vom Bauhof der Stadt Bad Neustadt unerlässliche Dinge wie Bauwagen, Werkzeugcontainer, Wasserfass oder Schubkarren. Auch das Tunnelzelt des Archäologischen Arbeitskreises Rhön-Grabfeld und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege kommt wieder zum Einsatz, um wetterunabhängig arbeiten zu können. 

Großeinsatz des Bauhofes Bad Neustadt: Anlieferung von Bauwagen, Werkzeugcontainer und anderem Material. Foto: C. Reichert
Willi Schmitt stellte sein Bürgermeisteramt zugunsten eines Baggereinsatzes auf dem Veitsberg hintan und fuhr wie schon 2010 den Minibagger, um den neuen Schnitt mittig durch den vermuteten Turm von der Humusdecke zu befreien.

Der neue Schnitt 4 wird von seiner Humusdecke befreit. Foto: P. Wolters

Die Befunde der vergangenen zwei Jahre hatten auch diesen Winter unter einer Decke aus Geovlies, Strohballen und Planen verbracht. Diese Schutzhülle wurde am Dienstag abgenommen und nun liegen die eindrucksvollen Mauerbefunde wieder offen vor dem Betrachter.   

Schnitt 1 und 3 nach der Winterpause. Foto: C. Reichert
Abnahme der Strohüberdeckung in Schnitt 1. Foto: F. Birkner
Die 7 Archäologen widmeten sich den Rest der ersten Grabungswoche dem Freilegen der Befunde im neuen Grabungsschnitt – mit hervorragendem Resultat! Wie erhofft, fand sich die Fortsetzung des mächtigen Rundturmes, der sowohl im Innenraum, als auch im Außenbereich von völlig ungestörten Kulturschichten begleitet wird. Neue Hoffnung für Funde und damit genauere Datierungsansätze!


Bei fast schon zu strahlendem Sonnenschein werden die Befunde im neuen Schnitt freigelegt. Foto: P. Wolters

Knapp unter dem Humus liegen die frühmittelalterlichen Kulturschichten und die Fortsetzung des Rundturmes. Foto: P. Wolters

Samstag, 21. Juli 2012

Ausgrabungsbeginn 2012

Am 23. Juli beginnt die Grabungskampagne 2012, in der wir 3 Monate am Veitsberg arbeiten werden. An der Lehr- und Forschungsgrabung nimmt wieder ein internationales Archäologenteam aus Deutschland, Ungarn und der Schweiz teil.

Blick auf den Veitsberg mit dem Grabungsgelände von der gegenüberliegenden Talseite, im Hintergrund Hohenroth. Foto L. Werther 2011.
Wir hoffen auf viele Erkenntnisse und danken der Stadt Bad Neustadt, den Gemeinden Hohenroth und Salz herzlich für ihre herausragende Unterstützung! Wir freuen uns auch auf viele interessierte Besucher zu den verschiedenen Führungen und Informationsveranstaltungen, die im Laufe der Grabung stattfinden werden. Alle Termine werden über die Lokalpresse bekannt gegeben und wir versuchen, auch auf diesem Blogg die wichtigsten Neuigkeiten und Informationen zugänglich zu machen.


Montag, 12. März 2012

Forschungsprojekt wird fortgesetzt - Stadtrat stimmt Finanzierung zu

Vor wenigen Tagen hat der Stadtrat von Bad Neustadt gemeinsam mit den beteiligten Gemeindeverwaltungen einer Fortsetzung der Finanzierung des Forschungsprojektes am Veitsberg bis 2015 zugestimmt.

Die Mainpost berichtete am 04.03.2011: http://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Am-Veitsberg-wird-wieder-gegraben;art765,6652116

Allen Unterstützern, ohne die diese positive Entwicklung und Entscheidung nicht möglich gewesen wäre, gilt unser herzlicher Dank!

Der Veitsberg auf der Tagung "Zentrale Orte und Zentrale Räume des Frühmittelalters"

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz und die Stadt Bad Neustadt an der Saale richteten vom 07.-09. Oktober 2011 gemeinsam die Tagung Zentrale Orte und Zentrale Räume des Frühmittelalters in Süddeutschland“ aus. Ausgehend von den aktuellen Forschungen im karolingisch-ottonischen Pfalzkomplex Salz an der Fränkischen Saale und besonders dem Veitsberg sollte die Tagung ein fachübergreifendes Forum für die Diskussion der Zentralortproblematik im Frühmittelalter und auch der neuen Forschungsergebnisse auf dem Veitsberg bieten. 


Über 20 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland setzten sich in ihren Vorträgen und den anschließenden Diskussionen mit den verschiedenen Facetten des Themas auseinander. In mehrern Vorträgen, u.a. von Peter Ettel, Petra Wolters und Lukas Werther wurde der Veitsberg dabei intensiv gewürdigt und diskutiert.

Am Samstag Nachmittag besuchten die Tagungsteilnehmer im Rahmen einer Exkursion dann auch die Ausgrabung im frühmittelalterlichen Zentralort „Veitsberg“. Gemeinsam wurde die komplexe Befundsituation diskutiert, wobei besonders der mächtige wohl frühmittelalterliche Rundturm für  Aufsehen unter den Fachkollegen sorgte. 
Die Tagungsteilnehmer vor den Grabungsflächen. Foto: Uni Jena

Die Tagungsbeiträge werden zeitnah als Sammelband im Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums erscheinen. 

Besonders freuen wir uns über die rege Teilnahme zahlreicher Interessierter Ehrenamtlicher und Bürger aus der Region an der Konferenz sowie über die breite Berichterstattung in der Regionalpresse!

Kurzbericht zum Stand der Forschungen Anfang 2012

Die Grabungen 2011 liegen inzwischen hinter uns und die Auswertung der Dokumentation ist einen großen Schritt vorangekommen. Für das "Archäologische Jahr" 2011 (herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege) haben wir (P. Ettel, L. Werther, P. Wolters) eine kurze Zusammenfassung der Untersuchungen 2010/2011 zusammengestellt, die für alle Interessierten vorab in Auszügen hier zu lesen ist. Der Abbildungsteil kann jedoch aus Copyrightgründen erst in der Druckversion veröffentlicht werden, dafür bitte ich um Nachsicht und Geduld.

Auszug aus:
Der Veitsberg – neue Forschungen im karolingisch-ottonischen Pfalzkomplex Salz


Die Grabungen bis 2006 zeigten, dass es sich bei dem Veitsberg um einen bedeutenden frühmittelalterlichen Zentralort handelt, bei dem es sich durchaus um den bislang nicht lokalisierten Kern der Pfalz Salz handeln könnte. Um den zahlreichen offenen Fragen an den Fundplatz weiter nachzugehen, den Erhaltungszustand des durch Ackerbau hochgradig gefährdeten Bodendenkmals zu erfassen und ein entsprechendes Schutzkonzept zu entwickeln wurde 2009 eine Kooperation der Stadt Bad Neustadt, der Gemeinden Hohenroth und Salz, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ins Leben gerufen. Als Basis aller weiterer Geländearbeiten erfolgte 2009 eine großflächige geophysikalische Prospektion durch das BLfD sowie die Zusammenführung der Altgrabungsdokumentationen, Luftbilder und LIDAR-Daten in einem Geoinformationssystem. Besonders in der Südwestecke der Hauptburg zeigten sich vielversprechende Strukturen. Da hier zudem noch kaum Erkenntnisse zur Stratigraphie und Befunderhaltung vorlagen, wurde an dieser Stelle im Sommer 2010 eine vierwöchige Lehrgrabung der Universität Jena durchgeführt, die 2011 eine sechswöchige Fortsetzung fand.

Die im Vorfeld an die Grabung gestellten Erwartungen wurden dabei weit übertroffen: In zwei rechtwinklig zueinander liegenden und so dem Wallverlauf folgenden Flächen mit insgesamt gut 100 m2 traten knapp unter der Oberfläche sehr gut erhaltene Baubefunde der frühmittelalterlichen Anlage zu Tage. Fast über die gesamte Länge beider Schnitte zieht sich das Fundament einer trockengesetzten zweischaligen Wehrmauer, die teilweise noch bis zu 5 Lagen hoch erhalten ist und die Hauptburg nach Nordwesten hin abriegelt. Diese Mauer verläuft parallel zu dem im Luftbild, in der Magnetik und auch in den Grabungsschnitten 1984 und 1985 erfassten über 4 m tiefen Graben wohl des 10. Jahrhunderts, der vermutlich einen älteren Grabenverlauf aufgreift. Der zugehörige geschüttete Erdwall der jüngsten Bauphase zieht an die ältere Steinmauer. Geschüttete Erdwälle dieser Art, sogenannte „Ungarnwälle“, werden in der Burgenforschung als typische Erscheinung des 10. Jahrhunderts und fortifikatorische Reaktion auf die Einfälle ungarischer Kriegsscharen in das Ostfränkische Reich interpretiert.

Wie die Wall-Graben-Anlage biegt die ältere Wehrmauer zwischen Schnitt 1 und 2 etwa rechtwinklig ab. Innerhalb dieser Ecksituation konnte in Schnitt 1 ein mächtiger gerundeter Mauerzug mit einer Breite von bis zu 2,6 m aufgedeckt werden. Im Südteil weist er einen äußerst aufwändigen Unterbau aus schräg gesetzten Steinen zwischen grob gesetzten Bruchsteinschalen auf, wohingegen im Ostteil eine sauber gesetzte Außenschale aus Quadern in ein mächtiges Kalkmörtelbett versetzt ist, das auf einem 2-lagigen, annähernd rechteckig auskragenden Fundament aufsitzt. Im Westteil des Schnittes sind sowohl die Wehrmauer als auch der gerundete Mauerzug durch Steinraub stark gestört.
Daher wurde 2010 zunächst vermutet, es handle sich um einen apsidialen Baukörper. Die weiteren Ausgrabungen 2011 sowie eine ergänzende Untersuchung mittels Bodenradar durch das BLfD zeigen nun allerdings, dass es sich um einen turmartigen Rundbau mit einem Außendurchmesser von mindestens 15 m handelt. Auch im östlichen Teil von Schnitt 2 haben sich Spuren dieses „Rundturmes“ in Form von Ausbruchsgruben erhalten. Die stratigraphische Situation dieses außergewöhnlichen Befundes ist bislang nicht eindeutig, da durch die starke Beackerung der Flächen nur wenige Schichten ungestört erhalten blieben. Eine an Wehrmauer und Rundbau anziehende Brandschicht lässt allerdings auf eine gemeinsame Nutzungsphase beider Baukörper schließen und Mauerverlauf und Bauausführung zeigen, dass aller Wahrscheinlichkeit nach der „Rundturm“ in die bestehende Ecksituation der Umfassungsmauer angebaut wurde. 

Innerhalb des Rundbaus und in dessen Abbruchhorizont eingetieft liegt eine große u-förmige Ofenanlage, wie sie in ähnlicher Form bereits 1985 von Wamser ergraben und als Salzsiedeofen interpretiert wurde; nach ersten geobotanischen Untersuchungen durch B. Zach ist aufgrund von Getreideresten jedoch auch eine Nutzung als Backofen denkbar. 2011 wurde in Schnitt 3 neben der bereits bekannten Umfassungsmauer eine große, an diese Mauer anziehende und mit Brandschutt verfüllte, frühmittelalterliche Grube angeschnitten. 

Das bislang geborgene keramische Fundmaterial der Grabungen 2010/11 ist abgesehen von Spuren des spätmittelalterlich-neuzeitlichen Steinraubes dem 8. – 10. Jahrhundert zuzuordnen; hochmittelalterliche Funde fehlen gänzlich. Zahlreiche Tierknochen und botanische Reste beleuchten Ernährung und Alltagsleben während der Nutzungszeit der Befestigung. Hervorzuheben ist weiterhin ein prägefrischer Denar Herzog Heinrichs III. aus den Jahren 983-985, der auf der Abbruchschicht des „Rundturms“ liegt und damit den Niedergang der Anlage beleuchtet. Die Schriftquellen zum parallel verlaufenden Besitz- und Strukturwandel des Pfalzkomplexes Salz in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts stimmen in hervorragender Weise mit dem archäologischen Befund auf dem Veitsberg überein. Die Befestigung mutmaßlicher Kern der Pfalz Salz – wird den Grabungen zufolge noch im 10. Jahrhundert zumindest in weiten Teilen aufgegeben. An ihre Stelle treten im Hochmittelalter neue regionale Zentren wie die Stadt Neustadt auf der einen und Adelsburgen wie die Salzburg auf der anderen Seite. Als wesentlicher Akteur tritt nun das Bistum Würzburg in Erscheinung und prägt die weitere Entwicklung des Raumes. Auch an der Basis der Siedlungslandschaft zeigt sich dieser Wandel: In einem länger dauernden Prozess werden frühmittelalterliche Siedlungsareale wie die Talsiedlung „Mühlstadt“ der vermutete Wirtschaftshof der Pfalz und ebenfalls Gegenstand aktueller archäologischer Forschungen aufgegeben und es vollzieht sich ein Konzentrationsprozess im Bereich der heutigen Altorte. Zukünftigen Forschungen wird es vorbehalten sein, diesen komplexen Wandel im Detail zu beleuchten. 

Es bleibt herzlich zu danken: Den Gemeinden Bad Neustadt, Hohenroth und Salz, ohne deren Engagement und Förderung die neuen Untersuchungen auf und um den Veitsberg nicht möglich gewesen wären, der Bevölkerung für ihr Interesse und allen Beteiligten für eine stets positive Resonanz!